28.01.2022

Das Dalapferd: Aus Nusnäs in die Welt

Das Dalahäst ist ein Symbol Schwedens. Es ist auch ein überaus beliebtes Touristen-Mitbringsel. Die filigran geschnitzten und liebevollen kolorierten Holzpferde haben eine spannende Geschichte. Sie beginnt in Nusnäs. Mitten in Dalarna.

Eines seiner bekanntesten Symbole hat Schweden zwei Teenagern zu verdanken. Und einem traurigen Ursprung. Die Familie Olsson aus Nusnäs war ärmlich. So mussten die beiden Brüder Nils und Jannes Olsson früh zum Lebensunterhalt beitragen. 1928, die beiden waren gerade mal 13 und 15 Jahre alt, schnitzten sie nach dem Schulunterreicht die ersten Dalapferde. Sie nahmen einen Kredit von 400 Riksdalern auf, wovon sie sich eine Bandsäge kauften. Die erste kleine Dalapferd-Fabrik war gegründet.

Vorläufer stammen aus dem 18. Jahrhundert
„Wir Menschen haben das Pferd schon immer abgebildet. Unsere Vorfahren schnitzten Bilder ihres treuen Freundes in die Höhlen, und so hat es sich fortgesetzt“, erklärt Linnea Knutsson, die seit zwei Jahren im Dalapferd-Laden „Nils Olsson“ arbeitet. Die Vorläufer der heute uns bekannten Holzpferde stammen aus dem 18. Jahrhundert. Damals schnitzten Waldarbeiter in den Dörfern um Mora abends in ihren Blockhütten die Pferde.

In den 1830er-Jahren bekamen diese schließlich ihre floralen Muster, die heute Kurbits genannt wird. So avancierten die Dalapferde auch erstmals zu Exportobjekten. Sie wurden von mehreren Dörfern in der Umgebung von Mora aus verkauft und von Handelsreisenden im ganzen Land verbreitet.

Elektrische Maschinen statt Hand
Bis heute ist die Produktion von immenser Präzision geprägt. Elektrische Maschinen haben zwar das Kurbeln von Hand ersetzt. Alles andere ist geblieben. Die Pferde werden immer noch per Hand geschnitzt und erhalten ihre charakteristische Bemalung von filigranen Fingern. „Die Tradition und die Liebe zum Handwerk sind heute noch dieselben wie 1928, als wir anfingen“, sagt Linnea Knutsson. „Das ist unser Stolz und unsere treibende Kraft auch für die Zukunft.“

Bei „Nils Olsson“ arbeiten heute zwölf Personen. Zwei davon sind noch immer mit den beiden Brüdern Nils und Jannes verwandt. Hier im Herzen von Dalarna stellt das kleine Unternehmen Holzpferde in verschiedenen Formen und zahlreichen Größen her.

Geschnitzt aus hiesigen Wäldern
Das Holz für die Dalapferde stammt aus den Kiefernwäldern rund um den Siljansee in Dalarna. Das Klima ist perfekt für das beste, langsam wachsende Kiefernholz, das sich ideal zum Schnitzen von Dalapferden eignet. Im Sägewerk wird das Holz dann sondiert und ausgewählt. Nur die beste Qualität eignet sich auch für ein Dalapferd.

Die ausgewählten Stücke werden gehobelt, eine Schablone wird aufgestempelt. Dann wird die Form der Pferde ausgesägt, erst grob und dann fein mit der Bandsäge. Anschließend geben die geschickten Holzschnitzer dem Dalapferd mit Hilfe des Moramessers seine endgültige Form.

Viele Farben, ein Original
Das geschnitzte Pferd wird in zwei Schichten der Grundierung getaucht. Um eventuelle Unregelmäßigkeiten zu finden, wird es zudem geprüft, gespachtelt und geschliffen. Dann ist es Zeit für den letzten Tauchgang, bevor das Pferd für die einzigartige Handbemalung bereit ist. Heutzutage gibt es Pferde in variantenreichen Grundfarben. Die traditionelle und bekannteste ist jedoch das Rot.

Die traditionelle Bemalung der Dalapferde nennt man "krusmålning" und ist eng mit den Kurbits verwandt. Diese Arbeit malen die erfahrenen Dekorateure freihändig. Der letzte Schritt besteht darin, die Pferde mit einer schützenden Schicht Klarlack zu versehen. Erst dann ist es an der Zeit, dass sie Nusnäs verlassen und die Welt bereisen.

Nils und Jannes Olsson haben zu einem kulturellen Erbe beigetragen, das nicht nur zum Symbol Dalarnas, sondern eben auch Schwedens geworden ist. Aus einer misslichen Lage wurde eines der beliebtesten Mitbringsel aus dem Land im hohen Norden.

Das Geschäft in Nusnäs kann man das ganze Jahr über besuchen. Bestellungen sind auch online möglich.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Leon

Leon, 25 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.


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