08.10.2021

Der Mann auf dem Eis

Es ist krachend laut auf der Arctic Explorer. Wenn der Eisbrecher sich durch das zugefrorene Meer schiebt, sind seit 2004 nicht nur auch Touristen an Bord. Sondern auch ein besonderer Kapitän.

Thomas Wiren segelte auf der ganzen Welt. Sein Zuhause aber ist der Norden Schwedens. Ursprünglich kommt er aus Piteå in Norrbotten. Seine Karriere als Kapitän begann er 1974. Obwohl er auf den verschiedensten Schiffen und Meeren unterwegs war, hat er eine große Liebe: die Eisbrecher.

Erinnerungen an früher
Heute ist Thomas ein charismatischer Mann in dern 70ern. Seinen attraktiven Charme hat er bis heute nicht verloren. Er erinnert sich gerne an die Zeit, als einige junge Damen kühn vom Eisbrecher nur in Bikinis und ohne Überlebensanzüge im Eiswasser sprangen. Dann forderten sie ihn auf, es ihnen gleichzutun. „Ich glaube, dass sie meinen trainierten Körper ohne Kapitänsanzug betrachten wollten“, sagt Thomas heute mit einem Augenzwinkern.

Die Firma, für die Thomas arbeitet, führt Eisbrecherkreuzfahrten auf zwei Schiffen durch: Da gibt es die Arctic Explorer und die Polar Explorer. Beide Schiffe erfüllen bis heute ihre ursprünglichen Aufgaben als Eisbrecher für lokale Häfen. Die Polar Explorer bricht gelegentlich das Eis für den Hafen von Karlsborg, einer Stadt ganz am nördlichen Ende des Bottnischen Meeres. Der Eisbrecher ist im Winter aber auch sehr beliebt bei Touristen. Die Arctic Explorer ist etwas weiter südwestlich im Einsatz. Täglich bricht sie das Eis im Hafen von Piteå, um den Schiffen, die zur lokalen Papierfabrik kommen, den Seeweg offen zu halten.

Mit starkem Motor gebaut
Die Arctic Explorer wurde 1964 gebaut, arbeitete als Eisbrecher und Schlepper in Naantali (Finnland) und wurde später für die gleichen Aufgaben nach Schweden verlegt. Der Eisbrecher-Schiffsmotor ist um ein Vielfaches stärker als jeder andere Schiffsmotor. Deshalb werden Eisbrecher oft auch als Schlepper zum Schleppen schwerer Lastkähne und anderer Schiffe verwendet.

Seit 2004 führt die Arctic Explorer touristische Kreuzfahrten durch. Das Schiff wurde im Innern umgebaut, um es für Touristen bequemer zu machen. Es gibt nunmehr zwei komfortable Räume für etwa 80 Personen. Während der Fahrt auf der Arctic Explorer haben die Passagiere das Gefühl, Teil der Eisbrecher-Crew zu sein.

Schiff als Arbeiter
Ein solches Schiff ist kein Luxus-Kreuzer. Es ist ein raues industrielles, hart arbeitendes Schiff mit sehr starkem Motor, starkem Bug, schwerem Gewicht und einer etwas lustigen „Schuhform“ – so werden Eisbrecher nämlich gebaut. Es ist laut beim Eisbrechen – Motor und Eis konkurrieren im Wettbewerb des größten Lärms.

Nach knapp 45 Minuten Fahrt durch das Eis findet Kapitän Thomas Wiren ein Plätzchen im Meer und bringt die Arctic Explorer zum Stehen. Die Gäste verkleiden sich dann mit den quietschorangen Überlebensanzügen und gehen erst aufs Eis, bevor der mutige Sprung ins Wasser folgt. Dies erinnert meist an eine Notfallübung für die Schiffsbesatzung. Das Schönes ist: Dieses einzigartige Erlebnis, ein Schwimmstopp im Bottnischen Meer, kann jede und jeder tun. Es sind keine besonderen körperlichen Fähigkeiten erforderlich.

Ein Besuch auf der Brücke
Nach dem Badestopp fährt die Arctic Explorer zurück zum Heimatpier nach Piteå .Unterwegs können die Passagiere den Kapitän auf der Brücke und den Chefingenieur in der Maschinenabteilung besuchen. Die Atmosphäre ist sehr freundschaftlich und locker.

Während der Pandemie war die Tourismusbranche auch in Schwedens Norden fast vollständig heruntergefahren. Die Arctic Explorer kreuzte weiter, führte Eisbrecher-Missionen aus und nahm die wenigen sehr mutigen Touristen mit, die es wagten, während des pandemischen Winters 2020/21 nach Schweden zu reisen.

Nun freut sich das gesamte Unternehmen auf den Winter 2021/22. Kapitän Thomas Wiren will seinen Gästen wieder zeigen, wie einzigartig es ist, sich als Eisbrecher den Weg durchs Bottnische Meer zu bahnen. Und dann wird er auch die Geschichten von früher erzählen. Als die Gäste ihn aufforderten, ohne Wärmeanzug ins Wasser zu springen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Leon

Leon, 25 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.


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