23.02.2022

Schloss Gripsholm: Wie aus dem (Bilder-)Buch

Seit fast 500 Jahren ragt das Schloss Gripsholm über Mariefred. Kurt Tucholsky landete mit seinem gleichnamigen Roman einen Bestseller. Bis heute gehört Gripsholm zu den Schlössern der Königsfamilie. Ohne Frage ein entdeckungswürdiger Ort.

Schloss Gripsholm wurde zwischen 1537 und 1544 vom schwedischen König Gustav Eriksson (Vasa) und seiner Familie erbaut. Es war eine kombinierte Verteidigungsfestung, aber auch eine hochrangige königliche Residenz. Gripsholm wurde zu einer wichtigen Festung für die Vasa-Dynastie.

Zwei Kinder während der Gefangenschaft
Zwischen 1563 und 1567 hielt König Erik XIV. seinen Bruder Johan und dessen Gemahlin Katarina Jagellonica, eine polnische Prinzessin, in der Burg gefangen. Während ihrer Gefangenschaft bekamen sie zwei Kinder: Isabella und Sigismund. Sigismund sollte später König von Schweden und Polen werden.

Der abgesetzte König Erik war hier von 1571 bis 1573 inhaftiert. Obwohl sie im Gefängnis festgehalten wurden, waren ihre Bedingungen recht human: Sie hatten Zugang zu komfortablen Zimmern, gutem Essen und Büchern zum Lesen. Zwischen 1654 und 1715 war Schloss Gripsholm Teil der Mitgift von Königin Hedvig Eleonora. Ihre Anwesenheit hatte einen großen Einfluss auf das Innere und Äußere des Schlosses. Zum Beispiel wurde 1695 der Flügel der Königin gebaut.

Gustav III. entdeckt Schloss wieder
Im Jahre 1773 wurde Gripsholm, nachdem es einige Zeit vernachlässigt worden war, von Gustav III. wiederentdeckt. Das "alte und traurige" Schloss faszinierte den König, der das Potenzial eines historischen Ortes sah, an dem er seine eigenen Zeichen setzen und sich in die lange historische Tradition einreihen konnte.

Das Schloss war renovierungsbedürftig, und es wurden Gebäude wie die königliche Küche und der Kavaliersflügel hinzugefügt. Der exklusivste Beitrag war das Theater aus dem Jahr 1782. Es ist vielleicht das am besten erhaltene Theater seiner Art in ganz Europa. Nach Gustavs Tod im Jahr 1792 waren die glorreichen Tage von Gripsholm vorbei, und in den 1800er Jahren wurde es mehr zu einem Museum. Die königliche Familie nutzte es noch immer, allerdings nur für kurze Zeit, meist während der Jagdsaison.

Peter Stenmark kennt das Schloss Gripsholm wie kaum ein anderer. Im Interview verrät er, was man im Schloss aus dem gleichnamigen, berühmten Roman Tucholskys, nicht verpassen darf.

Was gibt es in dem Schloss zu entdecken? Wie viele Räume hat es? Wie groß ist es?
Besucher haben Zugang zu 65 Räumen, die sich auf drei Etagen verteilen. Seit 1822 ist Gripsholm Sitz der Nationalen Porträtgalerie. Sie ist die älteste in der ganzen Welt. Insgesamt sind hier mehr als 5000 Porträts in der gesamten Sammlung

Wodurch unterscheidet sich Gripsholm von anderen schwedischen Schlössern?
Gripsholm hat eine lange und einzigartige Tradition als königliche Residenz. Und das Schloss wurde noch nie angegriffen. Aus diesem Grund ist es sehr gut erhalten.

Gripsholm ist eines der Königsschlösser. Besucht die königliche Familie das Schloss noch regelmäßig?
Nun, vielleicht nicht regelmäßig, aber ein paar Mal im Jahr, würde ich sagen. Manchmal geschäftlich, manchmal privat.

Was sollte man bei einem Besuch des Schlosses nicht verpassen?
Herzog Karls Schlafgemach aus dem Jahr 1574 und das Privattheater von Gustav III. aus dem Jahr 1782, das sich in einem der alten Kanontürme befindet. Und natürlich die staatliche Porträtgalerie mit mehr als 800 Gemälden, die man bei einem Spaziergang durch die Gänge des Schlosses sehen kann.

Welche Bedeutung hatte und hat der Roman von Kurt Tucholsky für das Schloss?
Es handelt sich um einen Liebesroman, der in der Stadt Mariefred und auf Schloss Gripsholm spielt. Kurt lebte hier, als er das Buch schrieb. Er ist auch auf dem Friedhof von Mariefred begraben. Wir haben jedes Jahr viele deutsche Besucher, die Fragen haben und mehr darüber wissen wollen. 

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Leon

Leon, 26 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.


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