26.05.2020

Seemannslust

Das Fischen, sagt Joakim Axelsson, habe sich verändert. Trotzdem kann er sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Das liegt auch an der Familie: Denn schon sein Vater und Großvater fuhren frühmorgens auf die See hinaus.

Draußen auf dem Meer kann es viele unvorhergesehene Ereignisse geben. Vor ein paar Wochen hatte Joakim Axelssons so eines. Er war mit seinem Boot, das er „Carona“ genannt hat, auf dem Wasser unterwegs. So wie er es beinahe täglich tut. Doch plötzlich sprang ein Delfin um das Boot umher. Stundenlang. „Das sind tolle Erlebnisse“, schwärmt Axelsson.

Der 47-Jährige erinnert sich noch heute daran, wie er als kleines Kind im Sommer im Hafen von Resö auf die Fischerboote wartete. Schon sein sein Vater und Opa arbeiteten als Fischer an der westschwedischen Küste. Dass auch Joakim seit nunmehr 30 Jahren zur See fährt, ist die Fortführung einer Familientradition.

Axelssons Tag beginnt am frühen Morgen
Der Job ist nichts für Langschläfer. Axelssons Arbeitstag beginnt frühmorgens um 4 Uhr, wenn er noch im Dunkeln mit der 15 Meter langen „Carona“, die er 2012 gekauft hat, den Hafen verlässt. Hier kehrt er erst am frühen Abend wieder zurück. „Normalerweise“, erzählt Joakim, „schaffen wir zwei Schleppnetze voller Garnelen pro Tag.“Im Klosterfjord, wo Axelsson fischt, gelten spezielle Regeln: So gibt es mit empfindlichen Biotopen  auch Tabuzonen, wo überhaupt nicht gefischt werden darf.

„Gemeinsam mit den Behörden und Forschern haben wir einen ganz guten Weg gefunden“, sagt Joakim Axelsson. Gleichzeitig hat sich das Fischen für ihn spürbar verändert – beispielsweise durch EU-weite, einheitliche Fischereiregeln. „Da sich die Fischerei innerhalb der Union aber stark unterscheidet, hat dies erhebliche Konsequenzen für einen kleinen Einzelfischer wie mich.“

Fischer und Teilzeitlandwirt
Zwar ist Joakim hauptberuflich Fischer. Doch nebenbei arbeitet er auch noch als Teilzeitlandwirt auf einem Bauernhof in Resö. Ein Leben ohne das Meer und die Fischerei kann er sich nicht vorstellen. „Die Arbeit macht mir unglaublich viel Spaß. Man entscheidet über jeden Tag selbst. Um ein guter Fischer zu sein, muss man viel Geduld haben.“ 

Nach Feierabend freut sich Joakim auf die drei Frauen in seinem Leben. Mit seiner Frau Erika hat er zwei Töchter, 12 und 21 Jahre alt. Die Familie lebt in einer ehemaligen Schule auf Resö.Eine Woche, nachdem er den Delfin am Boot beobachtete, verhakte sich ein Schleppnetz in einem alten Schiffswrack und riss. „Solche Erlebnisse machen dann wiederum nicht so viel Spaß“, sagt Joakim Axelsson. Er hakt den Zwischenfall aber schnell ab. Das gehört nun mal auch zum Fischen. Und das Fischen ist sein Leben.

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Leon Weiß

Leon, 25 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.



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