04.06.2021

Stina & Matti im Abenteuerland

Stina und Matti kommen eigentlich aus Skåne und Jämtland – heute leben sie ihren Traum im lappländsichen Jokkmokk. Gemeinsam mit ihren 50 sibirischen Huskys.

Das Beständige an Stinas und Mattis Leben ist das Unbeständige. Kein Tag ist wie der andere. So ist das Leben mit 50 Hunden in einer einsamen, endlosen Landschaft nördlich des schwedischen Polarkreises. Und die beiden lieben es. Zusammengezählt bis zu 150 Tage pro Jahr ist Matti auf abenteuerlichen Touren in ebendieser Gegend unterwegs. Im Sommer avanciert das Duo zum Handwerker-Paar. Jetzt haben sie die Ressourcen, um den Zwinger zu renovieren, die Schlitten zu reparieren.

Der Herbst – etwa von August bis November – ist die Zeit, in der die Hunde besonders trainiert werden und Stina und Matti sich in die Marketing-Arbeit für die kommende Saison vertiefen. Ab November beginnt dann die heiße Phase. Die beiden fahren die Spuren für die Schlittenhund-Touren mit dem Schneemobil frei. Und dann geht es bis in den Frühling hinein beinahe jeden Tag in die weite Natur Lapplands hinaus. „Es gibt so einfach keine Routine“, sagt Matti und korrigiert sich kurze Zeit später selbst. „Nur die Hunde stehen für uns immer und zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle.“

Matti lebt seit 30 Jahren in Jokkmokk
2021 wird Matti das 30. Jahr in Jokkmokk leben. 1991 kam er aus Jämtland, einer Provinz im mittleren Westen Schwedens, hier hoch oben im Norden an – er studierte damals Ökologie und Samische Kultur (die Samen sind die Ureinwohner Fennoskandinaviens). Jämtland und Jokkmokk trennen nicht nur einige Kilometer – sondern auch zwei komplett andere Lebenswelten. Ist Schweden im Allgemeinen eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas, nimmt Lappland noch einmal eine extra besondere Stellung ein. Hier auf dem Dach Europas dominiert die Natur mit ihrer Wildnis. Das gefiel Matti schon prompt bei seiner Ankunft derart gut, dass er in Jokkmokk blieb. Damals schon mit dabei: ein kleines Team aus Hunden. 

Dass der ausgebildete Ingenieur hier sein altes Leben fortführt, war nicht der Plan. Matti gründete 1993 sein eigenes Unternehmen Jokkmokkguiderna und begann stetig damit, Touren mit dem Kanu, Schneeschuhen und eben Hundeschlitten anzubieten. Der heute 50-jährige Matti wuchs in Jämtland mit Hunden auf. Seit er denken kann, erlebt er täglich das Leben draußen in der Natur. Als 14-Jähriger fuhr er das erste Mal mit Schlittenhunden hinaus. Als er Jokkmokkguiderna gründete, tat er dies in erster Linie, weil er beweisen wollte, dass man sein Geld in der Natur auch verdienen kann, ohne etwa den Wald abzuforsten.

Über den PC-Bildschirm in den Norden
Stina kam 2004 in Mattis Leben. Zunächst über den Computerbildschirm. Über eine Internet-Partnerbörse lernten sich die beiden kennen und merkten schnell, dass sie zusammengehören. Das Problem: Stina kommt aus Skåne, Schwedens südlichster Region. Doch die Liebe der beide schlug diese Distanz und Stina zog nach Jokkmokk zu Matti. Sie studierte einst Kunst und Design, nebenbei waren Stinas größte Leidenschaft aber schon immer die Tiere, insbesondere Hunde.

Heute bieten die beiden Nordschweden-„Auswanderer“ ganz verschiedene Touren an. Es gibt kürzere Trips, bei denen die Gäste drei Stunden lang von zwölf Huskys durchs malerisch verschneite Lappland und über zugefrorene Seen gezogen werden – Pause mit Lagerfeuer und Barbecue inklusive. Hierbei hat dann auch jeder die Möglichkeit, ohne Zeitdruck die Huskys kennenzulernen. Die Hunde sind zwar unglaublich fidel und umtriebig, aber ebenso zutraulich und echte Kuschel-Tiere.

Touren bis zu 12 Tage lang
Es gibt aber auch längere Touren, die bis zu zwölf Tage dauern. Hierbei hat jeder Teilnehmer seinen eigenen Schlitten. Bei bis zu -50 Grad ist man dem Wetter und der Natur vollkommen ausgeliefert. Hier legen die Schlitten Entfernungen bis zu 300 Kilometer hin. „Das sind richtige Abenteuer. Wir können die Touren nicht einfach zwischendurch abbrechen. Diese Trips sind extrem und nur für Leute, die wirklich verstehen, dass es draußen in der Wildnis nicht durchgehend gemütlich ist.“ Im Sommer – wenn es auch in Lappland mal laue Temperaturen gibt – spezialisieren sich Stina und Matti auf Wildnis-Safaris, Kanu- und Wander-Touren. 

Zu ihrer Farm gehören 50 sibirische Huskys. Sie haben sibirische und nordamerikanische Wurzeln. Denn hier liegen auch die Ursprünge der Schlittenhunde. Traditionell wurden sie früher als Fortbewegungsmittel im russischen Sibieren, Grönland und eben Nordamerika genutzt. In Skandinavien nutzte man zu jener Zeit hierfür noch Rentiere. Erst gegen 1800 kamen die Huskies auch in Europas Norden.

"Ein gutes Leben mit unseren Hunden"
Doch auch in Lappland, das bisweilen wie eine kleine verschneite Märchenwelt daherkommt, spüren Stina und Matti die Auswirkungen einiger globalen Probleme. Den Klimawandel bemerken die Einwohner hier oben. Und die aktuelle Pandemie hat zumindest die wirtschaftliche Lage verschärft. Glücklicherweise haben es die beiden geschafft. „Wir sind eine kleine Firma mit geringen Kosten und leben selbst in einem kleinen Haus“, erzählt Stina. „Wir arbeiten nicht, um immer mehr Geld zu verdienen. Wir arbeiten, um ein gutes Leben mit unseren Hunden zu haben.“

Mehr Informationen zu Stina, Matt und den Hunden findet ihr hier auf der Website.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Leon

Leon, 25 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.


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