13.08.2021

Wie Alingsås zur Fika-Hauptstadt wurde...

Die Fika ist die traditionelle Kaffeepause in Schweden - und gehört zum Land wie rote Häuser und lange Sommernächte. Doch warum zählt ein 26.000-Städtchen an der Westküste als Fika-Kapitale?

Was ist „Fika“ überhaupt?
Der Begriff Fika kann in Schweden sowohl als Verb als auch Substantiv benutzt werden. Es bedeutet nichts anderes als eine Kaffeepause mit Keksen oder anderem Gebäck. Für die Schweden ist die Fika heilig – und zwar jeden Tag. Klar, Kaffeepausen gibt es überall auf der Welt. Der Unterschied in Schweden: Ein wesentlicher Bestandteil der Fika ist das gesellschaftliche Beisammensein.  Besonders wichtig ist den Schwedinnen und Schweden, bei der Kaffeepause die sozialen Kontakte zu pflegen und sich zu unterhalten. Fika macht man übrigens überall: im Café, bei der Arbeit, beim ersten Date oder zu Hause. Und: Nach den Finnen trinkt man in Schweden pro Jahr mit knapp 9 Kilogramm Kaffee pro Person den zweitmeisten weltweit.

Was gehört zur Fka?
Zuallererst: der Kaffee. Ohne das koffeinhaltige Heißgetränk geht bei der Fika nichts. Aber: Ebenso unabdingbar ist die süße Beilage. Traditionell ist dies in Schweden die landestypische Kanelbullar, also die Zimtschnecke. Je nach Jahreszeit changiert das Gebäck aber auch. Zur Adventszeit gibt es vermehrt Pfefferkuchen und Safrangebäck. Im Sommer bieten sich Erdbeertorte und Rhabarberkuchen an.

Wo gibt es de Fika-Tradition?
In Schweden ist das ganze Land süchtig nach Fika. Von Malmö bis Jokkmokk, von Stockholm bis Göteborg – in allen Städten und Regionen gibt es viele Cafés und Bäckereien, die das schwedische Unikum anbieten. Und dennoch lassen sich zumindest lokale Unterschiede feststellen. Laut dem „White Guide“ befindet sich in Westschweden die größte Dichte an Cafés. Und eben hier ist auch die Fika-Hauptstadt: Alingsås. In der 26.000-Einwohner-Stadt, östlich von Göteborg gelegen, gibt es sogar eigene Fika-Touren, die zu den schönsten Cafés der Stadt führen.

Was macht Alingsås zur Fika-Hauptstadt?
Die 400 Jahre alte Stadt blickt auf eine lange und traditionsreiche Café-Kultur zurück. Geht man durch die mit Kopfsteinpflaster bedeckten Straßen an den pittoresken Holzhäusern vorbei, kommt einem bereits der Duft von frisch gemahlenem Kaffee entgegen. Die Fika-Kultur in Alingsås führt bis ins 18. Jahrhundert zurück und hat ihren Ursprung in der industriellen Revolution.

Die erste Bäckerei in der Stadt wurde 1733 eröffnet. Anders Sundgren war seinerzeit der einzige Bürger der Stadt, der das Recht hatte Brot zu verkaufen. Die industrielle Revolution forderte den Menschen zu jener Zeit einiges ab; sie arbeiteten sechs Tage die Woche bis zu zehn Stunden am Tag. Auch Frauen mussten in Alingsås arbeiten, was damals eher ungewohnt war. Das bedeutete auch, dass sie oft zu Hause kein eigenes Brot backen konnten. So kam Sundgrens Bäckerei eine besondere Rolle zu – und es entstand die bis heute einzigartige Café- und Fika-Kultur in Alingsås. Aktuell gibt es knapp 30 verschiedene Cafés in der Stadt, drei davon führt der „White Guide“ als die besten in ganz Schweden. Besonders die urigen Hinterhof-Cafés in Alingsås laden zur Fika ein.

Wie kann ich eine Fika in Alingsås erleben?
Das geht natürlich ganz individuell. In Alingsås gibt es aber eigens geführte Fika-Touren. Die Guides haben einen erfahrenen, exklusiven Blick auf die Cafés der Stadt. Jeden Samstag läuft die Tour über knapp 90 Minuten durchs Stadtzentrum von Alingsås. Der Tourleiter versorgt euch mit interessanten Hintergrundinformationen und erzählt euch die Geschichte der Fika-Hauptstadt en detail. Die Tour endet mit einer ausgiebigen, leckeren Fika. Zu buchen sind die Touren im Vorfeld, am einfachsten via Email an  turistbyran@alingsas.se. Der Preis pro Person liegt bei 330 Kronen, rund 32 Euro.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Leon

Leon, 25 Jahre, liebt das Reisen und bekommt nie genug davon, Neues zu entdecken. Seine Neugier lotste ihn schon bis nach Japan, Guatemala und auf die Fidschi-Inseln. Im hohen Norden aber fühlt er sich am wohlsten. Im Winter liebt er es, sich in der lappländischen Schneewelt der Natur hinzugeben. Im Sommer genießt der studierte Journalist besonders Schwedens einzigartige, maritime Küstenwelt. Schweden ist für Leon ein Kaleidoskop des Reisens: aufregend, abwechselnd, anders. Im Land der Mitternachtssonne erlebt er bei jeder Reise aufs Neue, was SchwedenPur bedeutet.


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